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Die schwäbische Maultasche: Vom deftigen Klassiker zur schwäbischen Süßigkeit

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Die schwäbische Maultasche: Vom deftigen Klassiker zur schwäbischen Süßigkeit

Die Maultasche gehört nicht nur neben Linsen und Spätzle zu den kulinarischen Highlights unter schwäbischen Spezialitäten, sondern birgt auch eine Geschichte, die zu schön ist, um wahr zu sein. Dies und dass die Herrgottsbscheißerle auch wunderbar als süße Maultaschen taugen, zeigt die Autorin Andrea Bachmann im folgenden Text.

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Maultaschen in der Brühe 400gr. Dose

Schwäbische Puristen sind sich einig: Maultaschen sind gefüllte Nudeln in rechteckiger Form, die Füllung besteht zwingend aus Hackfleisch, Brät, Spinat, Zwiebeln, Petersilie, Ei und Semmelbröseln in einem ausgewogenen Verhältnis. Sie werden, so die Puristen, wahlweise in einer Rinderbrühe mit viel Schnittlauch serviert, mit flüssiger Butter und gebratenen Zwiebeln übergossen – „g’schmälzt“ – oder in feine Streifen geschnitten und mit Ei angebraten – „g’röschtet“. Alles andere ist überflüssiger Firlefanz und lenkt nur vom Wesentlichen ab.

Wer auf das Fleisch zugunsten einer reinen Spinatfüllung verzichtet, bereitet keine Maultaschen zu, sondern Laubfrösche. Die sind auch lecker – aber eben keine echten, klassischen, schwäbischen Maultaschen.

Seit 2009 sind „Schwäbische Maultaschen“ sogar von der Europäischen Union als Herkunftsbezeichnung geschützt. Und natürlich handelt es sich bei dem Produkt hinter dieser geschützten geographischen Angabe um eben diese klassischen Maultaschen.

 

Ganz traditionell und schnell in der Zubereitung: Die Maultaschen in der Brühe der Metzgerei Heinrich, 400g.

Der schwäbische Klassiker gehen immer…auch süße Maultaschen?!

Kein Schwabe, der etwas auf sich hält, käme auf die Idee, süße Maultaschen herzustellen. Das überlässt er den Bayern, genauer gesagt, den Oberpfälzern. Dort sind Maultaschen, die auch „Grammltaschen“ genannt werden, Nudeln aus Kartoffelteig, die mit Apfelschnitzen gefüllt und in einer Auflaufform gebacken werde. So ähnlich wie ein Strudel, aber kleiner und nicht ganz so fein.

Wir im Schwäbischen Shop sind aber keine Maultaschenpuristen, sondern Maultaschenliebhaber. Deshalb nehmen wir es nicht so genau mit den Zutaten und der Zubereitung. Wir lieben unsere kleinen, feinen süßen Maultäschle aus weißer Schokolade oder feinem Keks mit delikaten Füllungen aus Schokolade, Champagnertrüffel, Marzipan oder Haselnusscreme.

Einige dieser Varianten der süßen Maultasche findet Ihr auch hier bei uns im Schwäbischen Shop, zum Beispiel:

Maultäschle Pralinen - Haselnuss, 75g
Maultäschle Pralinen – Haselnuss, 75g

Diese Haselnusscreme ist übrigens ein historischer italienischer Import: 1806 verfügte Napoleon eine Wirtschaftsblockade, die sogenannte Kontinentalsperre, über Großbritannien und seine Kolonien, um die französische Wirtschaft gegen Konkurrenz zu schützen. Aufgrund der hohen Zölle wurden Produkte aus Übersee wie zum Beispiel Kakao nahezu unbezahlbar. In Turin lösten die dort ansässigen Schokoladenmanufakturen das Problem, indem sie Schokolade mit gerösteten und gemahlenen Haselnüssen streckten. Diese Notlösung war so unfassbar lecker, dass Nougat aus dem Piemont eine echte Spezialität wurde.

 

Der Ursprung des schwäbischen Kultgerichts

Auch bei gefüllten Nudeln hält sich das Gerücht, dass sie eigentlich in Italien beheimatet sind. 1718 übersetzt ein deutsch-italienisches Wörterbuch Maultaschen mit Ravioli und es spricht tatsächlich einiges für die Vermutung, dass Waldenser, protestantische Glaubensflüchtlinge aus Tirol, die Maultaschen nach Schwaben gebracht haben. Allerdings haben Ravioli und Maultaschen dann doch sehr wenig miteinander zu tun. Weder Größe noch Füllmaterial noch Zubereitungsart lassen sich wirklich vergleichen.

Und dann der Name! Maultaschen! Schwäbisch-exotisch und unübersetzbar.

Das Wort begegnet einem zuerst in Texten des 16. Jahrhunderts – zum Beispiel in denen von Martin Luther. Dort bedeutet es „Ohrfeige“. „Tatschen“ oder „tätschen“ heißt schlagen. Von der Ohrfeige zur gefüllten Nudel ist es dann eine eher waghalsige etymologische Konstruktion: Von Ohrfeigen bekommt man dicke Backen. Maultaschen eben. In Kochbüchern des 18. und 19. Jahrhunderts werden Maultaschen teilweise als Maulschellen bezeichnet, was dieser Erklärung Vorschub leistet.

Oder sind Maultaschen nicht doch eher Taschen, die man sich in den Mund vulgo das Maul steckt? Oder hat „Maul“ gar nichts mit dem Mund zu tun, sondern ist irgendwie verwandt mit „mahlen“, was sich letztendlich auf die verschiedenen Zerkleinerungsmethoden der Maultaschenfüllungszutaten bezieht, die gehackt, gemahlen, gemantscht werden?

Das Kloster Maulbronn, wie die Maultasche schwäbisches Welterbe, nimmt für sich in Anspruch, dass hier und nirgends sonst die Maultaschen erfunden worden seien und dementsprechend nach dem Kloster benannt wurden. Die „Maulbronner Nudeltasche“ wird sozusagen zur Maultasche verkürzt.

Die Geschichte dazu ist zu schön, um wahr zu sein.

Test der schwäbsichen Maultasche
Test der schwäbsichen Maultasche
In Brühe oder angebraten
In Brühe oder angebraten

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Maultaschen in der Brühe der Metzgerei Heinrich haben den Geschmackstest bei uns im Büro bestanden 🙂

Kleine Sünden straft der Herrgott sofort…oder etwa nicht?

In der Karwoche begab sich ein junger Mönch des Klosters Maulbronn in den Wald, um Feuerholz zu suchen. Da begegnete er einem Dieb, der seine Beute in einem Sack über der Schulter trug. Weil unser Mönch gerade einen besonders dicken Holzprügel in der Hand hielt, meinte der Dieb, er wolle ihn damit erschlagen, geriet in Panik und rannte davon. Den Sack ließ er stehen.

Der Mönch wartete eine Weile und als von dem Dieb weit und breit nichts mehr zu sehen war, schaute er nach, was es mit dem Sack auf sich hatte. Darin befand sich ein schönes, großes, gut abgehangenes Bratenstück, bei dessen Anblick dem Mönch das Wasser im Munde zusammenlief. Solch gute Gottesgabe wollte er nicht verkommen lassen!

Er schleppte den Sack mit dem köstlichen Inhalt ins Kloster und überlegte, wie er das Fleisch in der Fastenzeit seinen Brüdern servieren könnte, ohne dabei Fastenregeln zu brechen. Das gute Fleisch wegwerfen oder verderben zu lassen brachte der schwäbische Klosterbruder nicht übers Herz.

Am Gründonnerstag begab er sich also in die Küche, hackte das Fleisch klein, vermischte es mit Spinat, Rauke, Petersilie und anderen würzigen Kräutern und Gemüsen. Mit der köstlichen Farce füllte er einen gut ausgewellten Nudelteig.

Niemand, nicht einmal der liebe Gott, würde durch den Teig hindurch dem verbotenen Fleischgenuss auf die Spur kommen.

Zu Geschichte der schwäbischen Maultasche berichtete auch die Stuttgarter Zeitung.

Genau so war es. Die Klosterbrüder freuten sich über das leckere Gründonnerstagsmahl und schwiegen sich über die genauen Zutaten dieser himmlischen „Herrgottsb’scheißerle“ aus. Und auch wenn Maultaschen mittlerweile zum kulinarischen schwäbischen Alltag gehören – an Gründonnerstag sind sie noch heute sozusagen Pflichtfestmahl.

Gegen ein süßes Maultäschle zum Nachtisch hätten die Maulbronner Mönche sicherlich auch nichts einzuwenden gehabt.

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